Von Schließzylindern und Schlössern erwartet man Sicherheit, von Schließanlagen Flexibilität.

Egal, ob in öffentlichen Einrichtungen oder Universitäten, in Unternehmen oder in Krankenhäusern: Wo immer Organisationen in Bewegung sind, Mitarbeiter umziehen oder wechseln, wo sich Funktionen ändern und Zutrittsberechtigungen wechseln müssen, ist Flexibilität gefragt.

Die Organisation von Schließanlagen wird immer komplexer, weil die Anforderungen steigen und vor allem häufig wechseln. Vorallem Team- und projektorientierte Organisationsformen haben häufig Anpassungsbedarf bei den Zutrittsberechtigungen.

Genau hier setzen elektronische Schließanlagen an. Sie bieten durch ihre Programmierbarkeit alle Möglichkeiten, um sich an die veränderlichen Bedürfnisse ohne aufwendige Austausch- und Umbauarbeiten anpassen zu lassen.

 

Der Begriff der elektronischen Schließanlage

Grundlegend ist, dass theoretisch jeder Identmittel-Träger (ob in Form von Schlüssel, Karte oder Chip) an jedem Identmittel-Leser (Zylinder, Beschlag, Chip- oder Kartenlesegerät) berechtigt werden kann. Diese freie Verfügbarkeit wird durch die elektronische Programmierung dann so eingeschränkt, dass ein Schließplan entsteht. Dass bei einigen Systemen zusätzlich noch eine mechanische Kontrolle (z.B. in Form eines Schlüssel, der in den Schließzylinder des Identmittellesers passen muss) erfolgt, hat auf diese Festlegung keinen Einfluss. Jedoch sollte im Sinne der späteren Freizügigkeit bei der Vergabe der Berechtigungen auch hier auf eine Gleichschließung geachtet werden.

Ein weiteres Kriterium ist, dass jeder Identmittel-Träger ein elektronisches Unikat ist und einzeln berechtigt und gelöscht werden kann. Verfügt das System über einen Ereignisspeicher, lassen sich dadurch auch die letzten Ereignisse der einzelnen Indentmittel-Träger kontrollieren.

Für die Verwaltung der Systeme haben sich Softwareprogramme durchgesetzt. Nur so ist später auch bei größeren Anlagen gewährleistet, dass die Übersicht nicht verloren geht. Auf die verschiedenen Möglichkeiten der Übertragung der Daten in den Zylinder gehen wir weiter unten ein.

Der Vorteil gegenüber Zutrittskontrollsystemen liegt im Batteriebetrieb und den in den Zylindern integrierten Steuereinheiten. Diese lassen auch Montagen an Brand- und Rauchschutztüren, bei Mehrfachverriegelungen, Toren und Schlüsselschaltern ohne große Umbauarbeiten zu. Ein weiterer Vorteil ist die Kostenersparnis bei der Montage, insbesondere im Hinblick auf die Problematik der Kabelführung bei den vorgenannten Sondertüren.

Der Nachteil sind die zu optimierenden Wartungsarbeiten. Da meist Spezialbatterien verwendet werden, möchte man natürlich die Nutzungsdauer optimieren, das heißt Austausch erst kurz vor dem Zusammenbruch. Hier bieten die Hersteller von externer Noteinspeisung bis zur intelligenten Software viele Lösungen an.

Sind bereits Identmittel aus anderen Anwendungen wie Zutrittskontrolle oder Zeiterfassung im Einsatz, lassen sich diese meist auch für eine elektronische Schließanlage nutzen. Dieses gilt hauptsächlich für RFID-Identmittel aus dem 125 kHz (EM und Hitag) und dem 13,56 MHz Bereich (Mifare, Legic und HID).

 

Die Bauformen der verschiedenen Systeme

Viele Hersteller bieten ihre Systeme schon in mehreren Bauformen an. Die angebotenen Systeme lassen sich in drei Gruppen einteilen. Die wichtigsten Merkmale sollen kurz erläutert werden.

 

1. Elektronikzylinder auf Basis mechanischer Systeme - Mechatronische Schließsysteme

Ikon_Verso_Cliq_SchlsselDie mechanische Schließung wird durch ein elektronisches Sperrelement ergänzt. Die Steuerungselektronik sitzt im Innenknauf, in einem Gehäuse, welches in den Stulp der Tür eingelassen wird, oder ist im Zylindergehäuse integriert.
In der Regel ist eine hohe Akzeptanz des Schlüssels als Identmittelträger durch den Nutzer gegeben. Durch die Kombination von mechatronischen und mechanischen Zylindern lässt sich das Kosten/Nutzen Verhältnis optimieren und die Investitionskosten können gesenkt werden.
In vielen Fällen besteht die Möglichkeit der Nachrüstung von bestehenden mechanischen Schließanlagen nach Schlüsselverlust oder Organisationsänderungen.

 

2. Elektronikzylinder ohne mechanische Anbindung - Elektronische Schließsysteme

kaba_elolegic_digitalzylinderDie meisten Systeme besitzen auf der Außenseite einen Drehknauf, der frei mitdreht. Bei berechtigtem Transponder wird dieser dann für einige Sekunden eingekoppelt. Durch drehen des Knaufs kann dann die Tür geöffnet werden. Die Systeme verfügen über keine mechanische Schließung.
Im Innenknauf sind die Elektronik und die Batterie untergebracht. Das System kommuniziert optisch und/oder akustisch mit dem Nutzer, d.h. signalisiert, ob der Transponder berechtigt ist oder abgewiesen wird.
Schnelle Lieferzeiten von Zylindern und Schlüsseln sind üblich, da diese neutral vom Werk kommen und von uns am Lager geführt werden können.

 

 

3. Elektronischer Beschlagleser

EVVA_Salto_Beschlag_MifareDer Identmittel-Leser ist im äußeren Türschild integriert. Die Elektronik und die Batterien sind im Innenschild untergebracht. Die Systeme arbeiten meist mit Standardbatterien der Größe AAA.
Bei Beschlägen die nur auf die Drückernuss wirken, lässt sich die Sicherheit durch Sperrfallenschlösser oder selbstverriegelnde Panikschlösser erhöhen. Einige Systeme erlauben einen mechanischen Notzylinder, der über das Identmittel hinweg schließt.
Die Bedienung ist äußerst komfortabel, da nur der Transponder vorgehalten und der Außendrücker betätigt werden muss, um die Tür zu öffnen. Diese Systeme sind auf Grund der besonders leichten Bedienung besonders für Altenwohnanlagen geeignet.

 

Datenübertragung Software – Zylinder

Wurden die Zylinder der ersten Generation nur per „Turnschuhnetzwerk“ programmiert, hat man heute noch weitere Möglichkeiten, um die immer größer werdenden Anlagen sinnvoll zu verwalten.

 

  • Offline-Netzwerk
    Unter Offline- bzw. „Turnschuhnetzwerk“ versteht man, dass die Veränderungen zunächst in der Software vorgenommen und später mittels eines Programmiergerätes oder Programmierschlüssels in die einzelnen Zylinder übertragen werden. Dafür muss jeder betroffene Zylinder begangen werden.

 

  • Validierungsfunktion
    Die Identmittel erhalten an einem Wandleser einen Zeitstempel mit einer Berechtigung für x Stunden. Während dieser Zeit können sie an den freigegebenen Türen schließen. Geht ein Identmittel verloren, müssen nur die Validierungsterminals neu programmiert werden und nach Ablauf der eingestellten Zeit ist der verlorenen gegangene Transponder innerhalb der gesamten Anlage ohne Berechtigung.

 

  • Online Netzwerk
    Die Veränderungen werden in der Software vorgenommen und mittels eines Netzwerkes an die angeschlossenen Türen übertragen. Das Netzwerk besteht aus Kabel- und/oder Funkstrecken (WLAN). Über dieses Netzwerk können auch die Ereignisse, wie z.B. Türzustände und der Batteriestatus, zurückgemeldet werden.

 

  • Virtuelles Netzwerk / Netzwerk on Card
    Diese Funktionalität wird bei den verschiedenen Herstellern unterschiedlich benannt. Auch hier werden die Schließungsänderungen in der Software vorgenommen und – meist online - an einen oder mehrere Wand-Leser übertragen. Sobald ein Identmittel an diesem Leser bucht, werden ihm die geänderten Daten mit auf den Weg gegeben. Bei jeder Nutzung an einer Offline-Komponente werden dessen Zutrittsdaten aktualisiert. Auf gleichem Wege gelangen auch die Ereignisse und der Batteriestatus an die Online-Leser und damit zurück ins System. Diese Form des Netzwerkes bietet das beste Verhältnis von Preis/Leistung zur Schnelligkeit der Übertragung. Es eignet sich auch für die Ergänzung von Online-Zutrittskontrollsystemen mit Offline-Komponenten.